Vom Traum, ein guter Mensch zu sein

Vielleicht tragen wir ja alle diesen Wunsch in uns.

Ein guter Mensch zu sein.

Wenn aus diesem Wunsch aber ein überdimensioniertes Schubladendenken wird. Wenn aus ihm eine einseitige Ideologie erwächst, die keinerlei Abweichung mehr zulässt. Dann kann aus diesem Wunsch schnell eine Hetzjagd auf diejenigen entstehen, die diesem „gut“ sein nicht entsprechen.

Wer so denkt und handelt, ist von einem guten Menschen weiter entfernt, als er sich selbst Glauben machen möchte.

Was macht einen guten Menschen überhaupt aus?

Wer definiert die Maßstäbe für einen guten Menschen?

Und ist es denn wirklich möglich, ein durch und durch guter Mensch zu sein?

Bin ich selbst ein guter Mensch?

Ich weiß es nicht.

Klar, ich versuche durch meine Absichten und Handlungen anderen Menschen keinen Schaden zuzufügen. Zumindest nicht mit Absicht. Das schließt aber nicht aus, dass ich anderen Menschen nicht schon geschadet habe und vielleicht auch noch werde.

Ich bemühe mich meist darum, freundlich und höflich zu anderen Menschen zu sein. Dennoch wandern immer wieder ziemlich dunkle und wüst schimpfende Gedanken durch meinen Kopf und ich verliere manch unbeherrschte Worte.

In Bezug auf meine Ernährung und ein nachhaltiges Konsumverhalten habe ich immer noch Luft nach oben und auch im Umgang mit Mutter Erde könnte ich an einigen Stellen noch deutlich bewusster handeln.

Bin ich deswegen kein guter Mensch? Macht mich das zu einem schlechten Menschen?

Sind die Guten überhaupt die Guten? Und die Schlechten immer die Schlechten?

Tragen wir alle nicht beides in uns? Und geht es nicht vielmehr darum, uns dessen bewusst zu sein?

Wir sind Menschen. Ohne Ausnahme.

Nichts anderes möchte ich sein. Ein Mensch. Mit allem, was dazu gehört.

Und so möchte ich anderen Menschen begegnen. Als Mensch. Mit all meinen Ecken und Kanten. Mit meinen ungeliebten und mit meiner Schokoladenseite.

Vielleicht platzt auf diese Weise der Traum, ein guter Mensch zu sein.

Und vielleicht entsteht dadurch eine gelebte Wirklichkeit, die auf ehrlicher Anteilnahme, Mitgefühl und aufrichtiger Menschlichkeit basiert.

Ich wünsche es mir.

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