Es ist so laut da draußen

Gleich vorne weg – natürlich gibt es mich auch in laut.
Ich lache gerne und laut.
Ich schreie laut, wenn mir eine Spinne ab einer gewissen Größenordnung zu nahe kommt.
Und selbstverständlich bin ich manchmal auch laut, wenn ich das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit verspüre und wahrgenommen werden möchte.

Als Ausgleich dazu brauche ich es auch leise.
Brauche ich Momente der Stille.
Ruhe und inneren Rückzug.

Im Moment ist es mir zu laut da draußen.
Ich empfinde Vieles als lärmend und bedrückend.

So viele aufpolierte Selbstdarstellungen.
Dauergrinsende, immer gut gelaunte, sportliche Menschen, die sich selbstredend auch immer vorbildlich ernähren.

Erhobene Zeigefinger, die uns ständig erzählen möchten, wie das Leben läuft.
Die uns ermahnen, was wir zu tun oder zu unterlassen haben.

Menschen, die unter jedem Post einen Kommentar hinterlassen müssen, in dem sie ihre therapeutischen Fähigkeiten unter Beweis stellen müssen.
Dabei wollen manche Geschichten einfach nur erzählt werden.

Marktschreier an jeder Ecke.
Und jeder schreit sein Angebot heraus, damit er auch ja nicht übersehen wird.

Befindlichkeiten und daraus resultierende Machtkämpfe sind nach wie vor überall zu finden.
Wenn ich schon den in vielen deutschen Unternehmen ach so sehr gepflegten Begriff „One company“ höre und dagegen sehe, wie er in der Realität gelebt wird, könnte ich kotzen.

Und wenn ich das Alles weg lasse, sehe ich Menschen.
Menschen, die orientierungslos sind.
Die Angst haben nicht mitzukommen oder übersehen zu werden.
Die im Außen suchen.
Die ihre eigene Stimme vor lauter Lärm und Ablenkung nicht mehr hören können.
Die jede Verbindung zu sich selbst unterbrochen haben.

Ich lebe gerne mittlerweile.
Nicht dauergrinsend oder immer gut gelaunt.
Oft undiszipliniert und ganz schön zickig.
Immer wieder mit Höhen und noch immer mit gewaltigen Tiefen.

Ich lebe gerne.
Das war beileibe nicht immer so.
Es war ein anstrengender Weg bis hierher.
Es hat mich viel Kraft gekostet und das tut es auch heute oft noch.
Mein Lohn ist, dass ich immer mehr bei mir ankomme und die Verbindung halten kann. Dass mich nichts mehr so schnell komplett aus den Latschen kippt.
Dafür lohnt sich jeder einzelne Schritt!

Es ist so laut da draußen.
Ich wünsche mir mehr Stille und leise Verbundenheit.
Wünsche mir Menschen, die bereit sind Verantwortung für sich zu übernehmen und zu ihrer Menschlichkeit stehen.

2 Gedanken zu „Es ist so laut da draußen“

  1. Liebe Sylvia, ich lese dich ja immer wieder auf FB, bei Storytelling und ich bin mega beeindruckt. Beeindruckt von deinen sanften und doch klaren Worten. Immer hinter die Fassaden schauend. Aufrüttelnd und doch haltend. Danke!

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