Das Leben kennt keine Entwürfe

Seitdem ich denken kann, ist mir der zumindest typisch deutsche Lebensentwurf vertraut.

Geboren werden.

Kindergarten, danach Schule.

Schulabschluss. Gefolgt von Ausbildung oder noch besser Studium.

Dann arbeiten und möglichst Karriere machen.

Heiraten nicht vergessen.

Erst Haus kaufen oder bauen, dann Kinder in die Welt setzen. Zwei wären schön.

Diese Kinder dem allgemein gültigen Lebensentwurf wieder anpassen.

Kinder aus dem Haus bekommen.

In Rente gehen.

Sterben.

Klar, können sich in diesem Entwurf einige Hindernisse auftun oder Planänderungen vorkommen. Im großen und ganzen erfreut er sich aber nach wie vor großer Beliebtheit und dient vielen Menschen noch immer weit mehr als nur zur Orientierung.

Ich habe diesen Lebensentwurf selbst lange und ausgiebig genug gelebt, um für mich erkannt zu haben, dass dies nicht mehr meiner Vorstellung von Leben entspricht und mir bewusst zu werden, dass ich meinen eigenen Weg gehen muss.

Darüber hinaus glaube ich, das dieser klassische Lebensentwurf insgesamt ausgedient hat. Wir brauchen neue Modelle, die wir mit Leben füllen können.

Nun lese ich seit geraumer Zeit vermehrt bei einigen Menschen, wie dieser neue Lebensentwurf auszusehen hat. Damit meine ich nicht solche Menschen, die von sich schreiben und erzählen, welche neuen Wege sie eingeschlagen haben und leben. Das empfinde ich als pure Inspiration. Ich meine die Menschen, die davon sprechen, was andere jetzt in dieser Zeit tun müssen. Was sie jetzt verändern müssen und wie sie zukünftig zu leben haben.

Sobald ich „muss“ lese oder höre, taucht in sekundenschnelle mein geliebter Satz „n`Scheiß muss ich“ in mir auf.

Es kann doch nicht Sinn dieses Wandels sein, den einen fixierten Lebensentwurf gegen einen anderen starren Lebensentwurf auszutauschen. Zumindest nicht in meiner Welt.

Es gibt Lebensentwürfe, die mich faszinieren und von denen ich zugleich weiß, dass sie nicht für mich bestimmt sind.

Was ich mir wünsche, ist eine Vielfalt von gelebten neuen Entwürfen. So viele, dass wir aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen. So viele, dass wir gar keine vorgegebenen Entwürfe mehr erkennen können, sondern nur noch von einer Inspiration in die nächste fallen.

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