Angst führt in die Abhängigkeit. Vertrauen und Liebe in die Freiheit.

„Angst schüren“ ist wohl eines der gängigsten und am häufigsten praktizierten Konzepte. Wir alle sind damit wohlig vertraut, wurden wir doch schon von klein auf an diese Methode herangeführt. So wurden wir erzogen. So wurde es uns beigebracht. So geben wir es weiter. Von Generation zu Generation.

Daraus ist heute eine völlig verängstigte und in die Abhängigkeit getriebene Gesellschaft entstanden.

Aus Angst, dass ihre Kinder zu gesellschaftlichen Außenseitern werden oder den Anschluss, woran auch immer, verlieren könnten, treiben viele Eltern bereits Grundschulkinder in die seelische und körperliche Erschöpfung.

Aus Angst, nicht genügen und den schier endlosen Vergleichen Stand halten zu können, büffeln Schüler oft nächtelang und versagen sich dabei, ihre Kindheit und Jugend in Leichtigkeit und prickelnder Lebenslust zu verbringen.

Aus Angst vor allen möglichen Unwägbarkeiten des Lebens schließen wir die unsinnigsten Versicherungen ab.

Aus Angst, von einer überzivilisierten Gesellschaft geächtet zu werden, sind wir bereit, sogar unsere Seele zu verkaufen.

Aus Angst vor dem Leben, schützen wir uns lieber zu Tode.

Aus Angst vor dem Tod, hören wir lieber auf, zu leben.

Menschen in Angst zu versetzen, ist eine bewährte Strategie, um sie in der Starre zu halten. Um sie dazu zu drängen, Handlungen vorzunehmen, die sie ohne diese Angst niemals vorgenommen hätten.

Der Staat, die Politik oder die Wirtschaft haben kein Interesse an selbstermächtigten Menschen, die ihr Leben voller Vertrauen selbst in die Hand nehmen. Die womöglich auch noch selbst denken oder eigenverantwortliche Entscheidungen treffen wollen.

Um zu überleben, brauchen diese Institutionen unsere Angst. Davon leben sie. Sie müssen unsere Angst schüren, um uns weiter in der Abhängigkeit zu halten und selbst überleben zu können.

Dieses Konzept ist so einfach, wie es alt ist.

Ich habe lange gebraucht, bis ich dieses „Spiel“ durchschaut habe, bis ich es verstanden habe. Und ich habe es selbst viel zu lang mitgespielt.

Zum einen, weil ich mir anfangs gar nicht vorstellen konnte, dass es tatsächlich so viele Menschen gibt, deren Absichten grundsätzlich schlecht und böse sind. Noch dazu so perfekt in Institutionen organisiert, denen ich vorbehaltlos mein Vertrauen geschenkt hatte.

Und zum anderen, weil ich Angst davor hatte, aus diesem Spiel auszusteigen und mich auf ein mir völlig unbekanntes Terrain zu begeben.

Ich dachte lange Zeit, dass das Gegenteil von Angst Mut ist. Erst viel später verband ich damit Vertrauen. Gerade las ich in einem Blog-Artikel, dass das Gegenteil von Angst Liebe sei. Das finde ich auch ein schönes Bild.

Liebe und Vertrauen sind für mich sowieso untrennbar miteinander verbunden. Beides, Liebe und Vertrauen, sind nicht steuerbar. Sie sind nicht kontrollierbar.

Sie entstehen im Herzen.

Sie folgen keiner Logik.

Sie sind nicht berechenbar.

Sie geben uns die Macht über uns selbst zurück.

Wir leben heute als Familie mit viel mehr Vertrauen in uns und ins Leben an sich. Wir haben nur noch eine einzige Versicherung, die uns im Krankheitsfall absichert. Wir gehen nicht mehr laufend zu irgendwelchen Kontrolluntersuchungen. Wir vertrauen unserer eigenen Wahrnehmung mehr als der anderer Menschen. Wir vertrauen darauf, dass wir geführt und beschützt sind.

Wir leben heute so frei, wie noch nie zuvor in unserem Leben. Mit allen Themen, die das Leben für uns bereit hält. Natürlich. Das Leben hat immer ein paar Überraschungen im Gepäck.

Und wenn mich das Leben in den letzten Monaten etwas gelehrt hat, dann, dass Angst in die Abhängigkeit führt und Liebe und Vertrauen in die Freiheit.

2 Antworten auf „Angst führt in die Abhängigkeit. Vertrauen und Liebe in die Freiheit.“

  1. Ich kann dir bei allem was du sagst nur zustimmen. Wenn gleich ich noch eine Erfahrung bzgl. Der Angst teilen möchte. Ich habe für mich entdeckt, dass die Angst, wie auch die Wut, die Trauer und die Freude ihre Berechtigung haben. Es ist nicht das Gefühl was falsch ist sondern die Bedeutung die wir diesem geben. Ganz ohne die Angst würde uns ein bedeutsamer Wegweiser fehlen. Viele Erfahrungen in unserem Leben nähren die Angst und können, wenn wir denn lernen sie als einen Teilaspekt zu betrachten, ein wichtiger Wegweiser sein. Es ist doch wie mit allem, das Gleichgewicht ist entscheidend. Angsterfüllt zu sein, ist sicherlich bedenklich und das Wort macht deutlich was häufig passiert: wir sind dann die Angst und alles andere verschwindet. Das macht uns dann tatsächlich handlungsunfähig.
    Ich habe mal in einer entscheidenden Phase mei es Lebens folgenden Satz mit auf den Weg bekommen und dieser trägt mich weiterhin: Mut ist Angst und einen Schritt weiter.
    Ich möchte jeden ermutigen seine Angst wahr zunehmen und als Teil zu begreifen, gleichzeitig im Vertrauen zu bleiben und aus Liebe zu handeln.

    Herzlichst Jennifer

    1. Liebe Jennifer,

      ich danke dir sehr für deine ausführlichen Gedanken und ich sehe und lebe das genau so, wie du es beschreibst. Für mich ist es wichtig in alle Gefühle eintauchen zu können, ohne sich darin zu verlieren.

      Den folgenden Text habe ich letztes Jahr über die Angst geschrieben:

      Das Ding mit der Angst
      —————————
      Gleich vorneweg.
      Ich bin bei weitem nicht frei von Angst.

      Und ich glaube auch nicht, dass es Menschen gibt, die keinerlei Ängste haben.
      Wozu auch?
      Angst ist ein Teilaspekt unseres Mensch-Seins, der genauso zu uns gehört, wie jeder andere Anteil auch.

      Dabei spielt es auch keine Rolle ob wir Angst haben unseren Arbeitsplatz, unseren Partner, unser Erspartes, unsere Gesundheit oder unsere Freiheit zu verlieren.
      Ob wir Angst vor einem Virus, einer Impfung, vor Kontrollverlust, einem totalitären System oder Angst um unsere Kinder haben.

      Angst ist per se nichts Schlechtes.
      Es ist allein unser Umgang mit unserer Angst, der den Unterschied macht.
      Ob wir in Panik verfallen, wie gelähmt erstarren oder achtsam mit ihr umgehen.

      Im letzten Jahr bin ich immer wieder mit meinen Ängsten konfrontiert worden.
      Erst durch unseren Aufbruch als Familie in ein völlig neues Leben, dann durch die massiven Veränderungen im Außen, ausgelöst durch ein Virus.

      Mittlerweile bin ich geübt im Angst haben.
      Ich habe dazu gelernt.

      So weiß ich, dass ich nur eine Hand voll an bestimmten Informationen vertrage und ich mir sehr gezielt aussuchen muss, welche ich davon an mich heranlasse.
      Manchmal verpasse ich diesen Moment und dann erinnert mich meine aufkommende Angst daran, dass ich meinen Fokus wieder auf die schönen und positiven Dinge in meinem Leben richten muss.

      Manchmal hilft es mir auch über meine Angst zu sprechen.
      Sie genau zu benennen, damit sie ihren Schrecken verlieren kann.

      Oder ich schlafe eine Nacht darüber.
      Auch das weiß ich mittlerweile. Dass manch eine meiner Stimmungen sich über Nacht einfach auflöst.

      Und ich bin mir bewusst, dass meine Angst mir ganz alleine gehört. Sie obliegt meiner alleinigen Verantwortung.

      Mein wohl größter Unterstützer im Umgang mit meiner Angst ist mein Vertrauen.
      Mein Vertrauen, dass alles irgendwie seine Richtigkeit hat, auch wenn ich den dahinter liegenden Sinn nicht immer verstehen oder erkennen kann.
      Mein Vertrauen in dieses Leben.
      Mein Vertrauen darauf, dass alles gut wird.

      Mein Vertrauen ist oft nur einen Hasenköttel größer als meine Angst.
      Und das reicht.

      Angst ist per se nichts Schlechtes.
      Es ist allein unser Umgang mit unseren Ängsten, der den Unterschied macht.

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